Hering

Der Atlantische Hering (Clupea harengus L.) ist ein weit verbreiteter Schwarmfisch im Nordatlantik, der von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist. In der Ostsee galt der Hering über Jahrhunderte hinweg als Brotfisch der deutschen Küstenfischerei, wobei noch Ende der 1980er Jahre Erträge von über 50.000 t erzielt werden konnten. Vor den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns (MV) spielt der frühjahrslaichende Hering der westlichen Ostsee dabei eine zentrale Rolle. Charakteristisch für diesen Heringsbestand sind die ausgedehnten Wanderungen zwischen den Fraßgebieten im Kattegat, Skagerrak und in der östlichen Nordsee, den Überwinterungsgebieten im Öresund und südlichen Kattegat und den Laichgebieten in den inneren Küstenbereichen der westlichen Ostsee. Ansammlungen von laichbereiten Heringen finden sich ab Februar entlang der Küste MVs ein, um anschließend zum Ablaichen in die jeweiligen inneren Küstengewässer einzuwandern, wobei der Greifswalder Bodden als Hauptlaichgebiet gilt. Neben seiner ökonomischen Wertigkeit für die Berufs- und Freizeitfischerei ist der Hering zudem ein wichtiges Bindeglied im Nahrungsnetz der Ostsee.

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Foto von einem Hering

Der Atlantische Hering Clupea harengus (Foto: F. Schade).

Der Atlantische Hering Clupea harengus (Foto: F. Schade).

Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich der Zustand des Heringsbestandes der westlichen Ostsee dramatisch verschlechtert. Neben der intensiven fischereilichen Nutzung in den letzten Jahrzehnten sind Eutrophierung und Klimawandel ursächlich für die negative Bestandsentwicklung. Durch die Überdüngung der Ostsee hat sich die Unterwasservegetation (Makrophyten), die der frühjahrslaichende Hering in der westlichen Ostsee bevorzugt als Laichsubstrat nutzt, in Ausdehnung und Dichte erheblich verringert, sodass geeignete Laichareale oftmals nur noch in stark exponierten Flachwasserbereichen vorzufinden sind. Zudem führen mildere Wassertemperaturen im Winter zu einem früheren Laichgeschehen der Heringe, infolgedessen eine Diskrepanz zwischen dem Schlupfzeitpunkt der Larven und der Nahrungsverfügbarkeit auftritt, was die Nachwuchsproduktion zusätzlich einschränkt. Als Folge der rückläufigen Bestandsentwicklung kam die traditionsreiche Heringsfischerei in MV im letzten Jahrzehnt weitestgehend zum Erliegen.

Abbildung zum Bestandszustand des HeringsDetails anzeigen
Abbildung zum Bestandszustand des Herings

Bestandszustand des Herings der westlichen Ostsee (Fischbestände Online, 2025)

Bestandszustand des Herings der westlichen Ostsee (Fischbestände Online, 2025)

Projekttitel

„Grundlagen für ein regionalisiertes Management der in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns vorkommenden Heringsbestände“

Motivation

Angesichts der folgenreichen negativen Bestandsentwicklung in den letzten Jahrzehnten sollen in unserem Projektvorhaben die regionalen Gegebenheiten und Wirkmechanismen in den Küstengewässern MVs untersucht werden, die Einfluss auf den Erfolg der Nachwuchsproduktion des Herings haben. Der Fokus liegt dabei auf Laichgebieten außerhalb des Greifswalder Boddens, der diesbezüglich bereits regelmäßig untersucht wird. Um die Bedeutung weiterer Laichgebiete entlang der Küste MVs für den Gesamtbestand in der westlichen Ostsee zu beurteilen, muss zunächst geklärt werden, wie sich lokale Laichergemeinschaften voneinander abtrennen lassen. Außerdem ist unklar, in welchem Umfang der ehemals häufig vorkommende Herbstlaicher heutzutage im Gesamtbestand auftritt. Weitergehendes Ziel des Projektes ist, durch die Untersuchung dieser offenen Forschungsfragen regionalisierte Managementempfehlungen abzuleiten, die helfen, den Gesamtbestand zu erhalten, um somit zukünftig wieder eine höhere fischereiliche Nutzung der Heringsbestände an der Küste von MV zu ermöglichen.

 

Forschungsschwerpunkte

1. Laichgebiete bewerten und Laicherpopulationen abgrenzen:

Der Zustand ausgewählter Laichgebiete soll bewertet und deren anteilige Bedeutung für den Gesamtbestand eingeschätzt werden. Zudem soll das Aufkommen herbstlaichender Heringe im Abgleich zum frühjahrslaichenden Hering quantifiziert werden.

2. Alternatives Laichsubstrat testen:

Aufgrund des Rückgangs von natürlicher Unterwasservegetation wie Seegras oder Blasentang, die der Hering bevorzugt als Laichsubstrat nutzt, sollen künstliche Strukturen zur Eiablage experimentell getestet werden.

3. Sozio-ökonomische Aspekte berücksichtigen:

In einem Stakeholder-Dialog sollen die bestehenden Konfliktpotentiale verschiedener Interessengruppen (z.B. Fischerei, Politik, Umweltschutz oder Tourismus) identifiziert und darauf aufbauend gemeinsam abgestimmte Managementstrategien entwickelt werden.

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Foto von herbstlaichenden Heringen

Herbstlaichender Hering aus dem Stettiner Haff (Foto: T. Lorenz)

Herbstlaichender Hering aus dem Stettiner Haff (Foto: T. Lorenz)

Projektlaufzeit: August 2024 - Juli 2027

Dr. Franziska Schade
Projektbearbeiterin Heringsmanagement
Telefon: +49(0)381 20260-539
Freya Eckhardt
Projektmitarbeiterin Heringsmanagement
Telefon: +49(0)381 20260-536