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Landesweite Studie zum frühen Kälberdurchfall begonnen

Der Nachwuchs im Milchviehstall soll die Zukunft eines Betriebes abbilden: genetisch hochveranlagt, gesund und vital gestartet, lange lebend und dabei nachhaltig Milch produzierend. Leider ist die Thematik Kälberaufzucht nach wie vor in den Milchviehställen in Diskussion. Der wirtschaftliche Druck in der Milchproduktion trägt dazu bei, dass es für die Betriebsleiter und Herdenmanager prioritär darum geht, Liquidität im Unternehmen zu erhalten, und die angeblich nicht prioritär als wirtschaftlich darstellbaren Bereiche stehen oft „hintenan“. Die angewandte Forschung konnte in den letzten Jahren zwar einen Wandel im Anerkennen der Notwendigkeit einer intensiven und effektiven Kälberaufzucht registrieren, aber der Teufel liegt im Detail.

Kälber sind die Zukunft, Untersuchungen an der LFA zeigen: Wer als Kalb in den ersten 80 Lebenstagen besser wächst, der gibt in der ersten Laktation 460 kg mehr Milch, der lebt länger und gibt in seinem gesamten Leben mehr Milch. Nachgewiesen wurde auch, dass bei einem an Durchfall erkrankten Kalb das Risiko, auch an einer späteren Atemwegserkrankung zu leiden, um den Faktor 1,33 erhöht ist. In den USA stellte man fest, dass eine mittlere Durchfalldauer von 3,8 Tagen zu einem Lebendmasserückstand von 9,1 kg im Alter von 6 Monaten führte.

Also, alles ganz einfach? Leider sind 40 % der Tierverluste bei Neugeborenen auf Störungen der Verdauungsabläufe zurückzuführen. In MV wurden Durchfallhäufigkeiten von etwa 30 % ermittelt, einzelbetrieblich kann bis zu 50 % der Kälber Durchfall haben. Was ist dafür verantwortlich? Haltungsmängel, Fütterungsfehler, mangelnder Immunstatus, hohe Keimbelastung sind beispielhaft zu nennen.

Erste Ergebnisse der Landesanstalt in Sachsen-Anhalt zeigten, dass es keinen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und Durchfallrate gibt. Darüber hinaus leiten die Kollegen aus ihren Ergebnissen ab, dass für eine wirksame Durchfallprophylaxe Maßnahmen in folgenden Bereichen erfolgreich unterstützen können:

  • Haltungshygiene
  • Fütterungshygiene
  • Personal sensibilisieren
  • Eindämmung des Kryptosporidien-Problems

In Sachsen und Sachsen-Anhalt hat man eine Bestandsaufnahme vollzogen. Dies und das generell weiter existierende Problem haben dazu geführt, auch in Mecklenburg-Vorpommern einen Status zum Saugkälber-Durchfall zu erheben, dies unter Berücksichtigung infektiöser Erreger und der betrieblichen Haltungs- und Managementfaktoren. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV (LFA) hat in Zusammenarbeit mit dem Rindergesundheitsdienst (RGD) der Tierseuchenkasse MV und dem Tierseuchenbekämpfungsdienst des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF) diese Studie konzipiert. Dazu werden durch Mitarbeiter der LFA oder des RGD in repräsentativen Betrieben über einen standardisierten Fragebogen Gegebenheiten zu Haltung, Fütterung und Management im Tränkkälberbereich erfasst. Zusätzlich werden von einigen Tieren Kotproben genommen und auf Durchfallerreger untersucht. Eine kostenfreie Probenahme und Untersuchung und eine anonyme Auswertung bei freiwilliger Teilnahme sind garantiert. Eine Unterstützung durch den Berufsstand ist hilfreich und gewünscht. Durch eine umfängliche Teilnahme wird eine erfolgreiche Projektumsetzung wahrscheinlich. Dies mit dem Ergebnis, die Kälberhaltung in MV möglichst besser zu machen.