Abschlussbericht Einzelbetriebliche Möglichkeiten zur Verfahrensspezifischen Reaktion auf kurz- bis mittelfristige Marktsignale
Die Zielstellung des Forschungsthemas war sowohl den Einfluss unterschiedlicher Vermarktungsstrategien auf die Rentabilität und Stabilität spezialisierter Ackerbaubetriebe als auch die betrieblichen Möglichkeiten zur verfahrensspezifischen Anpassung der Milchproduktion auf kurz- und mittelfristige Marktsignale zu untersuchen.
Für den Marktfruchtbau wurde der Einfluss unterschiedlicher Vermarktungszeitpunkte auf Rentabilität und Stabilität mittels einer ex post-Analyse für die Jahre 2006 bis 2013 untersucht. Die Ergebnisse zeigen große Schwankungen der Gewinnbeiträge aufgrund der Jahreswitterung und der Volatilität der Agrarmärkte. Für die Beurteilung des Vermarktungsrisikos reicht der gemittelte Deckungsbeitrag der Fruchtfolge nicht aus. Neben der durchschnittlichen, absoluten Abweichung der Jahreswerte vom Mittelwert als Maß für die Streuung ist vor allem der geringste Jahres-Deckungsbeitrag (maximale, negative Abweichung) zu beachten. Im Mittel war eine differenzierte Vermarktung der Früchte durchaus sinnvoll: für Raps Vorkontrakte und für Getreide die Lagerung. Betrachtet man recht lange Zeiträume, so schwinden jedoch die Unterschiede zwischen Vermarktungsstrategien. Es lässt sich keine eindeutige Präferenz für einen in allen Jahren optimalen Vermarktungszeitpunkt erkennen. Das bietet die Möglichkeit, die Vermarktungszeitpunkte individuell auf die einzelbetrieblichen Bedingungen und Befindlichkeiten auszurichten. Die Lagerhaltung hat sich weder in der erzielten Höhe der Verkaufserlöse nach Abzug aller Lagerungskosten noch in einer Risikominderung für die landwirtschaftlichen Unternehmen ausgezahlt.
Für die Milchproduktion wurde aus der Vielzahl möglicher Managementmaßnahmen 10 als reversibel eingestuft und anhand eines Modellbetriebes dargestellt (siehe Abbildung). Es zeigte sich, dass eine Reduzierung der Milchmengenanlieferung von knapp 1 bis 20 % möglich ist. Leistungsselektionen weisen das größte Potential zur Milchmengenregulierung auf. Eine zeitigere Selektion der abmelkenden Kühe ist keine Maßnahme, die Erfolg versprechend ist. Die Verringerung der Melkfrequenz von zwei- auf einmal vier Wochen nach der Kalbung kann zu einer Milchmengenreduzierung von knapp drei Prozent führen, ist aber meist nicht wirtschaftlich. Sinnvoll ist die altmelkende Gruppe ein- statt zweimal am Tag zu melken. Die Milchmengenanlieferung kann um rund 2 % gesenkt werden und ist bei Milchpreisen unter 24 Cent je kg Liquiditätsverbessernd, falls Lohnkosten eingespart werden können. Alle weiteren untersuchten Maßnahmen weisen zwar Reduktionsmöglichkeiten der Milchanlieferung auf, sind aber erst bei Milchpreisen unterhalb von 15 Cent Liquiditätsverbessernd. Die Reaktionsmöglichkeiten sind in der Milchproduktion sehr eingeschränkt und führen häufig erst bei drastischen Preiseinbrüchen zu einer Verbesserung der Zahlungsfähigkeit. Die Berechnungen belegen die Beobachtungen, wonach es erst bei äußert heftigen Milchpreiseinbrüchen zu spürbaren Reaktionen kommt.

Dokumente
| Verfasser | Dr. Hubert Heilmann |
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| Erscheinungsdatum | 25.11.2014 |
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