Zwischenfrüchte für Mulchsaatverfahren - Anbauempfehlungen

Die nachhaltige Bewirtschaftung unserer landwirtschaftlichen Flächen erfordert u. a. eine besondere Berücksichtigung ökologischer Aspekte des Acker- und Pflanzenbaues. Die Anbauverfahren aller landwirtschaftlichen Kulturen haben deshalb in den letzten Jahren Veränderungen erfahren. Neben der Sicherung des ökonomischen Ergebnisses ist eine umweltgerechte Produktion vorrangiges Anliegen der landwirtschaftlichen Betriebe.
Diese Anforderungen werden durch die Veränderungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen weiter entwickelt. Die Zahlung der Ausgleichsbeträge wird zukünftig u. a. an teilweise noch zu definierende ökologische Bedingungen und Auflagen (cross compliance) gebunden sein. Ein Aspekt wird dabei der Bodenschutz sein. Anforderungen an Fruchtfolge, de Humusgehalt und die Bodenbedeckung werden die Anbausysteme beeinflussen.
In Anbetracht dieser veränderten Rahmenbedingungen wird sich auch die Bedeutung des Zwischenfruchtanbaues wieder erhöhen. Zwischenfrüchte werden seit einigen Jahren vorrangig für Mulchsaatverfahren vor allem in Zuckerrüben und Mais angebaut. Die Vorteile des Zwischen-fruchtanbaues vereinen sich sehr gut mit den Anforderungen, die im Rahmen von cross compliance an die Landwirtschaft gestellt werden. Trotz der derzeit vorhandenen Arbeitsspitze darf der Zwischenfruchtanbau für die kommende Mulchsaat nicht vernachlässigt werden!

Vorteile des Zwischenfruchtanbaues für Mulchsaatverfahren sind vor allem:

    • Reduzierung von Wind- und Wassererosion
    • Höhere Wasserinfiltration
    • Verhinderung von Einträgen in Oberflächengewässer
    • Humusmehrung
    • Nährstoffspeicherung
    • Verdunstungsschutz
    • Bessere Befahrbarkeit der Flächen im Frühjahr
    • Erhöhung der bodenbiologischen Aktivität

Der Erfolg eines Mulchsaatverfahrens hängt vor allem von der Etablierung des Zwischenfruchtbestandes ab. Deshalb ist dem Anbau der Zwischenfrüchte die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Anbau der Hauptfrüchte einzuräumen. Um die genannten Vorteile zu erreichen sollten Zwischenfrüchte am Ende der Vegetationszeit mindestens 20-25 dt/ha Trockenmasse gebildet haben. Für die jetzt anstehende Aussaat der Zwischenfrüchte hier einige Tipps:

Pflanzenart

Für Mulchsaatverfahren in den Sommerkulturen Zuckerrüben und Mais haben sich unter den Bedingungen in Mecklenburg-Vorpommern vorrangig Senf und Phacelia als Zwischenfrüchte bewährt.
Erfahrungen und Versuche mit Ölrettich zeigen, dass die Pflanzen nicht immer vollständig abfrieren und es daraufhin im Frühjahr zu Rettichbildungen kommt. Zusätzliche Arbeitsgänge zur Saatbettbereitung sind dann notwendig.

Aussaatzeitpunkt

Aufgrund der klimatischen Bedingungen bei uns in Nordostdeutschland weichen die Aussaatzeiten der Zwischenfrüchte von denen anderer Anbaugebiete ab. Der Aussaatzeitpunkt ist so zu legen, dass zum Ende der Vegetationsperiode die Zwischenfrucht am Beginn der Blüte, also vor der Samenbildung, ist.
Phacelia sollte deshalb unter unseren Bedingungen zwischen dem 8.-15. August ausgesät werden. In diesem Jahr mit der bisher verzögerten Ernte wird es in vielen Betrieben schwer sein, sie rechtzeitig zu etablieren. Senf ist spätsaatverträglicher und damit einfacher in die Fruchtfolge zu integrieren. Unter unseren Bedingungen ist er zwischen dem 25.-29. August auszusäen. Septembersaaten gelingen hier nur in “Ausnahmejahren!“

Saatbettbereitung/Aussaat

Die Bodenbearbeitung nach der Ernte der Vorfrucht ist so auszurichten, dass das Ausfallgetreide so schnell wie möglich keimen kann. Stroh sollte bei Verbleib auf dem Acker gut verteilt sein.
Für die Saatbettbereitung zur Zwischenfruchtaussaat gilt auch hier die allgemeine Regel: Je kleiner das Saatgut, umso intensiver die Saatbettbereitung.
Phacelia als Dunkelkeimer benötigt deshalb ein gut hergerichtetes abgesetztes Saatbett. Pfluglose Bestellverfahren mit größeren Mengen organischen Materials auf der Bodenoberfläche führen bei Phacelia nur zu ungenügenden Feldaufgängen und damit zu schlechten Beständen. Eine Pflugfurche, eventuell auch flach, ist für die Bestellung mit dieser Zwischenfrucht notwendig. Bei der gegenwärtig trockenen Witterung sollte die beim Pflügen nach oben geförderte Bodenfeuchte für eine schnelle Keimung der Phacelia genutzt werden.
Senf stellt geringere Anforderungen an das Saatbett. Eine pfluglose Bestellung ist möglich, sollte aber von den Bodenbedingungen abhängig gemacht werden. Wichtig ist, dass auch bei Verbleiben des Strohs auf dem Feld der Senf ausreichend Bodenkontakt zur Keimung und Pflanzenentwicklung besitzt. Strohmatten sind generell zu vermeiden. Unsere Erfahrungen für die Senfaussaat besagen, dass eine flache Pflugfurche auch hier die besten Aufgangs- und Wachstumsbedingungen ermöglicht.
Um die gewünschten Trockenmassemengen der Zwischenfrüchte zum Vegetationsende zu erreichen, sollten die Aussaatmengen bei Phacelia 12-14 kg/ha und bei Senf 20-25 kg/ha betragen.

Düngung

Für ein schnelleres Wachstum und eine ausreichende Entwicklung ist eine Düngergabe von
40-50 kg/ha N zu empfehlen. Wichtig ist die N-Düngung auch zur Verbesserung des C/N- Verhältnisses, besonders wenn das Stroh der Vorfrucht auf dem Acker geblieben ist.
Die Applikation von Gülle bietet sich für die Düngung der Zwischenfrüchte geradezu an und hat sich in der Praxis bewährt. Bitte die Vorgaben aus der Düngeverordnung beachten!

Eigenschaften und Daten ausgewählter Zwischenfrüchte für Mulchsaatverfahren in Mecklenburg-Vorpommern

Fruchtart

Saatstärke (kg/ha)

Aussaatzeit (Datum)

TM-Ertrag (dt/ha)

Wurzel-TM (dt/ha)

Saatgutkosten (€/kg o. Mwst.)

Gelbsenf

20-25

25.08.-29.08.

20-35

~ 12

1,60-1,85

Weißer Senf

20-25

25.08.-29.08.

20-35

~ 12

0,90-1,15

Phacelia

12-14

12.08.-18.08.

20-30

~ 10

2,20-3,80

Ölrettich ohne Nematodenresistenz

15-20

15.08.-25.08.

25-35

~ 20

1,60-2,40

Fazit

Trotz der verzögerten Getreideernte ist dem Zwischenfruchtanbau für die Mulchsaat in Zuckerrüben und Mais höchste Aufmerksamkeit zu widmen. Der Grundstein für den Erfolg der Mulchsaatverfahren wird jetzt gelegt!
Die Vorteile des Zwischenfruchtanbaues sind ideal dazu geeignet, die im Rahmen von cross compliance anstehenden Anforderungen an verstärkten Bodenschutz und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit zu erfüllen.
Auch Landwirte, die bisher Mulchsaatverfahren nicht als notwendig angesehen haben, sollten diese Modifizierung der Anbauverfahren im Hinblick auf die veränderten agrarpolitischen Rahmenbedingungen stärker berücksichtigen.

Verfasser Dr. Armin Hofhansel
Erscheinungsdatum 09.08.2004