Sorteneignung von Winterweizen und Sommerweizen in später Herbstsaat und von Sommerweizen in Frühjahrssaat

Zusammenfassung

Veranlassung für dieses Forschungsthema war die Hypothese, dass Sommerweizen als weltweit umfänglich vermarktungsfähiges Produkt im Zuge der sich verändernden Rahmenbedingungen potenziell an Bedeutung gewinnen könnte. Sommerweizen kann traditionell in Frühjahrssaat oder auch (als Wechselweizen) in später Herbstsaat bestellt werden. Im Untersuchungszeitraum fand allerdings keinerlei Zunahme des Sommer­weizen­anbaus statt. Insbesondere ist in MV der Anbau in Frühjahrssaat unbedeutend und beschränkt sich im Wesentlichen auf Ausnahmejahre mit Auswinterungen oder schlechten Bestellbedingungen von Winterungen. Die Praxiserträge von Sommerweizen in Frühjahrs­saat liegen im sechsjährigen Mittel über 30 dt/ha unter denen von Winterweizen. Regelmäßig, aber auch in eher geringem Umfang, wird Sommerweizen als Wechselweizen in Herbstsaat nach sehr spät räumenden Vorfrüchten angebaut - als Alternative zu Winterweizen. Eine belastbare Ertrags­statistik für Wechselweizen liegt nicht vor, insofern sind nachfolgende Versuchsergebnisse zu dieser Frage von erhöhtem Interesse.

Für den Vergleich von Wechselweizen zu Winterweizen in später Herbstsaat liegen aktuell erst zwei wertbare Jahre vor, insofern sind nachfolgende Aussagen als vorläufig zu betrachten. Der Versuch wird fortgeführt. Eine Sommerweizensorte (Lennox) erzielte im entsprechenden Qualitäts­segment (gleiche Verkaufspreise) Erträge im Bereich der Winterweizensorten, bei gleichen Aufwendungen (Kosten). Bei noch späteren Saatterminen (nach Mitte November) ist eine gewisse Vorzüglichkeit denkbar. Viele Sommerweizensorten sind erheblich schwächer in der Winterfestigkeit als Winterweizen. Einzelne Sommerweizensorten (darunter Lennox) lagen dahingegen in einigen Belastung-Provokations­versuchen im Bereich guter Winterweizensorten. In dieser Kombination von Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Winterfestigkeit empfiehlt die LFA aktuell nur eine Sommerweizensorte (Lennox) als Ergänzung zu fünf spätsaattauglichen Winterweizensorten für die späte Herbstsaat, diese Sorte verdient die Eingruppierung als ‚Wechselweizen‘.

Seit 2018 wurden Landessortenversuche (LSV) mit Sommerweizen in Frühjahrssaat in MV wieder neu angelegt. Leider waren gleich die ersten Versuchsjahre vor dem Hintergrund ausgeprägter Trockenheit besonders für diese Kulturart äußerst ungünstig. Da sich solche kritischen Bedingungen nicht nur auf das Ertragsniveau auswirken, sondern i.d.R. auch stark erhöhte Versuchsfehler bewirken, war die Wertbarkeit der meisten Versuche eingeschränkt bzw. nicht gegeben. Um zu belastbaren Ergebnissen zu gelangen, wurde die Methode der Hohenheim-Gülzower-Serienauswertung mit Einbeziehung von Ergebnissen aus dem Über­lappungs­bereich zu benachbarten Bundesländern eingesetzt. Diese Auswertung bestätigte die o.g. erhebliche Ertragsunterlegenheit zu Winterweizen von über 30 dt/ha. Vor dem Hintergrund der geringen Produktivität und des in keiner Weise anspringenden Interesses in Praxis und Saatgutwirtschaft wurde diese Versuchs­anstellung nach Ernte 2021 eingestellt. Die abschließende Auswertung und Sortenbeschreibung wurde der Branche mit dem Faltblatt „Sortenempfehlung Sommergetreide“ und dem „Sortenbericht“ bereitgestellt, ohne dass einzelne Sorten eine explizite Empfehlung erhielten.

Dokumente

Verfasser V. Michel
Erscheinungsdatum 14.07.2022
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