Sorghumhirsen gehören wie der Mais zu den C4-Pflanzen und können das Artenspektrum der Energiepflanzen auch unter den Standortbedingungen Mecklenburg-Vorpommerns bereichern und Arbeitsspitzen in der Aussaat wie in der Ernte entzerren. Sie besitzen ein hohes Biomassebildungspotenzial und gelten als relativ trockenheitstolerant. Allerdings sind ihre Temperaturansprüche auch höher als beim Mais, was sie für den Anbau in Zweitfruchtstellung prädestiniert. Diese höheren Temperaturansprüche müssen auch zur Abreife im Herbst beachtet werden.
Gerade auf den eher maritim beeinflussten Standorten Norddeutschlands muss auf die Auswahl frühreifer Sorten geachtet werden, die derzeit jedoch noch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Somit sollte sich der Anbau von Sorghumhirsen zunächst auf Standorte mit relativ sicherer Abreife konzentrieren. Die Ausnutzung der Vegetationszeit kann durch den Anbau der Sorghumhirsen in Zweitfruchtstellung beispielsweise nach GPS-Wintergetreide verbessert werden.
Die Trockenmasseerträge erreichen nur selten das Niveau der Maiserträge. Das ist dann möglich, wenn Maisbestände durch länger anhaltende Trockenheit unter hohen Temperaturen gestresst werden. Hier reagieren die Sorghumhirsen, wenn der Bestand einmal erfolgreich etabliert ist, weniger empfindlich.
Da die Sorghumhirsen unter unseren Standortbedingungen nicht wie der Mais einen stärkereichen Kolben ausbilden, ist aus der Sicht der Qualität vor allem auf die gute Vergärbarkeit der Gesamtpflanze zu achten. Die Berechnung der Biogas- und Methanausbeuten auf Basis der Inhaltsstoffanalysen ist noch nicht ausgereift, darum beschränken sich die Ergebnisse zunächst noch auf den Trockenmasseertrag und den Trockenmassegehalt. Mit zunehmendem physiologischem Alter der Pflanze nimmt allerdings naturgemäß der Anteil von Gerüstsubstanzen zu, auch wenn die zur Silierung gewünschten Trockenmassegehalte noch nicht erreicht sind.
Ein wichtiges Züchtungsmerkmal für die Sorghumhirsen ist die Standfestigkeit, da sie im Herbst noch relativ lange im Feld stehen. Auf windexponierten Standorten kann besonders bei sehr wüchsigen Witterungsbedingungen bereits früh starkes Lager auftreten. Davon sind in der Regel Einzelpflanzentypen häufiger betroffen als die stärker bestockten. Eine Sortendifferenzierung lässt sich derzeit noch nicht herausarbeiten. Wenn im Herbst erste Fröste auftreten, erhöht sich die Lagergefahr sprunghaft, so dass die Bestände dann sehr zügig geerntet werden müssen.
Die botanische Zuordnung der Sorghumhirsen ist nicht in jedem Fall eindeutig, es wird zumeist eine Unterteilung in Sudangräser, Zuckerhirsen und Futterhirsen vorgenommen.
Bei Sorghum bicolor handelt es sich um Einzelpflanzentypen, die in ihrem Habitus dem Mais ähneln (aber ohne Kolben). Sie bestocken sich nur wenig. Es gibt Futter- und Zuckertypen dieser Art.
Die sog. Sudangräser sind eher Bestandestypen, die sich stärker bestocken und dünnere Einzelstängel besitzen. Es gibt auch Kompensationstypen, die höhere TM-Gehalte erreichen.
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse kann von den mehrjährig geprüften die Sorte Lussi für einen Anbau empfohlen werden. Sie hat als einzige überdurchschnittliche Erträge bei Trockensubstanzgehalten im Mittel von über 30 % erreicht. Alle anderen Sorten haben die Erwartungen an die Erträge und Trockensubstanzgehalte zur Ernte nur sehr eingeschränkt erfüllt bzw. die Datenbasis reicht noch nicht aus.

In einem vom BMELV geförderten Forschungsprojekt werden die Sortenversuche mit Sorghumhirsen weitergeführt, um die Datenbasis zu erweitern. Ziel ist es, der Praxis leistungsfähige Sorten zur Verfügung zu stellen, die regional geprüft und geeignet sind. Ebenso werden auch Untersuchungen zur Produktionstechnik weitergeführt.
| Herausgeber | Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern |
| Verfasser | Volker Michel, Dr. A. Gurgel |
| Erscheinungsdatum | 25.04.2012 |
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