Frostschäden in Weizenbeständen möglich?

Beim Winterweizen sind die Sortenunterschiede in der Winterfestigkeit erheblich größer als bei den anderen Winterungen - von sehr gefährdet bis ausgesprochen winterfest. Daher wird nachfolgend zunächst nur der Weizen diskutiert.

Um den Monatswechsel Februar-März traten nachts Temperaturen ein, die potentiell Frostschäden hervorrufen können - zumindest bei weniger winterfesten Sorten. In Gülzow wurden über dem Boden Tiefsttemperaturen bei -15 °C erreicht (Abb. 1 - siehe Anlage), an anderen Standorten traten auch stärkere Fröste auf.

Wo eine geschlossene, die Pflanzen bedeckende Schneedecke vorhanden war, dürfte nichts passiert sein - das war überwiegend in den nördlichen Gebieten von MV der Fall. Inwieweit die Faustzahl „1 cm Schnee hält 1° ab“ gültig ist, sei dahingestellt. In vielen Landesteilen war die Schneedecke aber sehr dünn, nicht vorhanden oder verweht. Hier sind zumindest Erfrierungen von Teilen der Blattspreite zu erwarten. Dies sieht zu Vegetationsbeginn dann oft gefährlich aus, wird aber gut regeneriert, sofern die Pflanze an der Basis vital ist. Im Feld lässt sich die Regenerationsfähigkeit erst mit Einsetzen des Wachstums beurteilen - an starkem, schwachen oder gar fehlenden Wiederaustrieb der Wurzeln und Triebe. Ein beschleunigter Austriebtest ist unten beschrieben.

Ausgesprochen dünne die Basis nicht einhüllende Schneebedeckung kann insofern kritisch sein, als es in klaren Nächten durch Reflektion des Schnees zu stärkerem Frost unmittelbar über dem Schnee kommt, der Schnee aber nicht als Schutz reicht.

Bei den Auswinterungsereignissen 2016 waren einige winterschwache Weizen­sorten, im Gegensatz zu Wintergersten, bereits ab ca. -14 °C von Winterschäden betroffen - Temperaturen, die Winterungen eigentlich aushalten sollten. Dies hing mit der fehlenden Abhärtung bei wüchsigem Wetter und dann schnellem Starkfrosteintritt zusammen. In diesem Jahr sollte die Abhärtung der Bestände erfolgt sein, auch sind die Bestände selten überwachsen - insofern ist die Disposition für Schäden  vermutlich deutlich geringer als 2016. Im günstigen Falle kommen wir mit nur marginalen örtlichen Schäden bei  winterschwachen Weizensorten davon. Von der LFA als winterfest eingestufte Weizensorten sollten die bisherigen Fröste gut überstanden haben. Es bleibt zu hoffen, dass keine Phase von Wechselfrösten mit starken Tag-Nacht-Amplituden nachfolgt, was die Regenerationsfähigkeit beeinträch­tigen würde.

Anders als in südlicheren Bundesländern ist in MV derzeit kaum mit Schäden durch Frost-Vertrocknung bei andauernden Kahlfrösten unter trockenen Winden zu rechnen - dieses Phänomen ist kaum sortenabhängig.

An dieser Stelle soll nochmal auf die Einstufungen der Weizensorten sowie anderer Winterungen durch die LFA verwiesen werden - zur aktuellen Einordnung des Risikos auf betrieblichen Schlägen wie auch als Hinweis für die künftige Risiko­minderung durch Sortenwahl (www.landwirtschaft-mv.de/Fachinformationen/Sorten/).

Austriebtest

Eventuell betroffene Pflanzen werden ausgegraben, gewaschen und Triebe und Wurzeln werden auf zwei Zentimeter eingekürzt. Die so vorbereiteten Pflanzen werden anschließend in ange­feuch­­tetes Küchenpapier gelegt und in einer Plastiktüte bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Nach 3-5 Tagen müssten noch intakte Pflanzen grüne Triebspitzen zeigen (Abb. 2 rechts - siehe Anlage). Stark geschädigte oder auch gestresste Pflanzen, z. B. zu tief abgelegte (Abb. 2 links - siehe Anlage) brauchen länger. Generell reagiert Weizen langsamer als Gerste.

Dokumente

Herausgeber Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
Verfasser Dr. Volker Michel
Erscheinungsdatum 06.03.2018
Telefon 03843 / 789-210
E-Mail v.michel@lfa.mvnet.de